• Ein Stück Zeitgeschichte bewahrt

Ein Stück Zeitgeschichte bewahrt

02.05.2019 RAHEL MEISTER Wissenschaftsjournalistin, Autorin Sprachwerk GmbH, Zürich

Fensterrenovation – Um die Bausubstanz seines über 100-jährigen Elternhauses im Basler Gundeli zu bewahren, hat sich Ernst Zimmer für eine sanfte Renovation der Fenster entschieden, anstatt sie zu ersetzen. Der Wohnkomfort ist durch eine Rahmenaufdoppelung mit Isolierverglasung und einer neuen Dichtung erheblich gestiegen.

Das Haus an der Pfeffingerstrasse beherbergte schon immer kreative Köpfe: Bereits 1905 wurde es durch eine Künstlerfamilie erbaut, und während Jahrzehnten wirkten in den Ateliers des Hinterhauses Kunstschaffende – unter anderen der Maler Max «Megge» Kämpf. Nachdem der Basler Architekt Ernst Zimmer sein Elternhaus in den 1970er- Jahren zusammen mit seinen Brüdern übernommen hatte, sanierten sie es sanft. 1987 waren die Fenster im vorderen Hausteil an der Reihe. Um die Bausubstanz zu erhalten, entschied sich Zimmer gegen den Ersatz der Fenster und liess sie in einem speziellen Verfahren erneuern. Dabei wurde der Aussenrahmen aufgedoppelt und eine moderne Isolierverglasung eingebracht.

Als später dann die Fenster des hinteren Gebäudes eine Renovation benötigten, war für ihn klar: «Wir möchten erneut auf diese Weise sanieren, da die Fenster am Vorderhaus auch über 30 Jahre nach der Renovation noch einwandfrei funktionieren.»

Jeder Rahmen ist Massarbeit

Im Oktober 2018 entfernte die Firma Quadra Lignum die Fenster im ersten Stock des Hinterhauses und brachte sie in die Werkstatt. Dort doppelten erfahrene Schreiner die Rahmen präzise auf, reparierten die Beschläge und setzten hochwertige moderne Isoliergläser ein. Dies dauerte rund zwei Wochen. Der Bauherr staunte über das aufwendige Verfahren – jeder einzelne Rahmen und Flügel wurde passgenau aus Eichenholz gefertigt.

Mit der Isolierverglasung und der neuen Dichtung ist der Energieverbrauch um Faktor vier bis fünf gesunken und das Fenster ist neu wind- und schlagregendicht. Auch der Wohnkomfort ist gestiegen: nicht nur, weil die Zugluft ausbleibt, sondern auch, weil der Temperaturunterschied zwischen Innenraum und Fensterflächen – die Strahlungsasymmetrie – sinkt.

Moderne Fensterrahmen hätten nicht gepasst

Dass moderne Fenster vergleichsweise wuchtige Rahmen aufweisen, war ein wichtiger Grund für den Hausbesitzer, die alten Fenster zu sanieren statt zu ersetzen. Durch einen Fensterersatz wäre Glasfläche und somit Licht verloren gegangen. Jochen Ganz von Quadra Lignum ergänzt: «Bei einem Ersatz leidet das Originalbild des Gebäudes – das Haus büsst an Charakter ein.» Zudem beeinträchtigen dickere Rahmen die Leibungen der Fenster. Gerade wenn diese mit Füllungen oder auf sonstige Weise strukturiert sind, werden die Proportionen zerstört. Ein weiterer Pluspunkt alter Fenster: Die Mechanik ohne verschleissanfällige Dreh-Kipp-Mechanismen ist derart simpel, dass sie so gut wie ewig funktioniert. Auch wenn das Verfahren aufwendig erscheint, hat sich diese Art der Renovation für Ernst Zimmer langfristig gelohnt – gerade in Anbetracht dessen, dass einige der modernen Gebäude in der Nachbarschaft im gleichen Zeitraum zweimal neue Fenster erhalten haben.

Dadurch, dass die Aussenseite komplett erneuert wurde, ist der Unterhalt vergleichbar mit demjenigen für ein neues Eichenholzfenster. Der Erhalt der Bausubstanz treffe den Nerv der Zeit, erklärt Jochen Ganz: «Viele Leute möchten ihr Gebäude sanft und nachhaltig renovieren – ohne Einbussen beim Wohnkomfort und der Energieeffizienz hinnehmen zu müssen.» Werde die Bausubstanz bewahrt, trage dies zur Werterhaltung eines Gebäudes bei, ist er überzeugt. Bauherr und Architekt Zimmer ergänzt, dass das System seinem Berufsstand zwar geläufig sei, dass es aber bei den Bauherren – die schlussendlich entscheiden – ruhig bekannter werden könnte. «Wir sind glücklich, dass wir unser Haus auf diese Weise renovieren durften.»